Arginin erweitert die Blutgefäße (2024)

Von: Kathrin Mehner (Medizinredakteurin)

Letzte Aktualisierung: 01.09.2020- 10:28 Uhr

Arginin, auch L-Arginin genannt, ist eine semiessentielle Aminosäure. Es spielt für uns eine wichtige Rolle, da es an vielen entscheidenden Prozessen im Körper beteiligt ist. Unter anderem hat Arginin einen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt sowie auf unser Immunsystem. Die Aminosäure wird von unserem Körper zum Großteil selbst hergestellt, unter bestimmten Umständen kann der Bedarf jedoch die körpereigene Produktion übersteigen. Ist dies der Fall, kann Arginin entweder über bestimmte Lebensmittel oder aber über Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden. Nahrungsergänzungsmittel mit Arginin werden aber auch im Bodybuilding sowie als Potenzmittel für Männer eingesetzt. Hier ist es besonders beliebt, da bislang kaum Nebenwirkungen von Arginin bekannt sind.

Lebensmittel mit Arginin

Semiessentielle Aminosäuren wie Arginin werden unter normalen Umständen vom Körper in ausreichenden Mengen hergestellt. In besonderen Situationen müssen sie jedoch von außen zugeführt werden. Dies ist zum Beispiel in Wachstumsphasen der Fall, weswegen Arginin für Kinder essentiell ist.

Bei Erwachsenen übersteigt der Bedarf an Arginin in besonders stressigen Lebensphasen, bei bestimmten Krankheiten oder nach Unfällen die Menge des selbst produzierten Arginins. Dann muss diese Aminosäure entweder durch den Verzehr von besonders argininhaltigen Lebensmitteln oder durch spezielle Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich von außen zugeführt werden.

Arginin ist vor allem in Lebensmitteln wie Fleisch, verschiedenen Kernen und Nüssen sowie Getreideprodukten enthalten. Lebensmittel, die den höchsten Anteil an Arginin aufweisen, sind:

  • Kürbiskerne (17,7 Prozent)
  • Pinienkerne (17,6 Prozent)
  • Walnüsse (15,0 Prozent)
  • geröstete Erdnüsse (11,9 Prozent)

Ebenfalls große Mengen sind in getrockneten Erbsen (8,9 Prozent), ungeschältem Reis (7,6 Prozent) sowie in rohem Schweinefleisch (6,7 Prozent), rohem Hähnchenbrustfilet (6,8 Prozent) und rohem Lachs (6,0 Prozent) vorhanden. Darüber hinaus ist auch in Hühnereiern und Kuhmilch viel L-Arginin enthalten.

Wirkung: Arginin erweitert die Blutgefäße

Arginin enthält viel Stickstoff und kann mit Sauerstoff zu Stickstoffmonoxid reagieren. Durch Stickstoffmonoxid entspannen sich der Herzmuskel und die glatte Muskulatur. Dies führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße. Somit sorgt Stickstoffmonoxid für eine verbesserte Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Blutgefäße.

Da Arginin die Erweiterung der Blutgefäße beeinflusst, kann es sich positiv bei Erkrankungen wie Arteriosklerose auswirken. Dies geschieht nicht nur durch die Gefäßerweiterung, sondern auch dadurch, dass sich die Ablagerungen an den Wänden der Blutgefäße zurückbilden. Neben Arteriosklerose kann sich Arginin auch positiv bei Bluthochdruck auswirken.

Arginin stimuliert die Ausschüttung von Insulin

Arginin hat auch einen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt. So soll Arginin unter anderem zusammen mit Ornithin die Ausschüttung von Wachstumshormonen beeinflussen. Mit Hilfe eines Arginin-Tests kann man überprüfen, ob ein Mangel an Wachstumshormonen vorliegt, der vor allem bei Kindern zu Wachstumsstörungen führen kann. Durch die Einnahme von Arginin kann in einem solchen Fall die Ausschüttung der vorhandenen Wachstumshormon-Reserven stimuliert werden.

Wachstumshormone fördern auch den Muskelaufbau sowie den Fettabbau. Deshalb wird Arginin gerne im Bodybuilding genutzt. Hier wird es außerdem auch eingesetzt, da durch die gefäßerweiternde Wirkung die Adern besonders stark hervortreten. Nahrungsergänzungsmittel wie Arginin, die zu einem erhöhten Blutfluss zur Muskulatur führen, werden auch als ‚Pump Supplement‘ bezeichnet. Neben den Wachstumshormonen kann diese Aminosäure auch das Hormon Insulin beeinflussen: So soll Arginin bei Diabetes helfen, indem sie die Insulinausschüttung im Körper erhöht.

Arginin stärkt das Immunsystem

Arginin wird darüber hinaus auch nachgesagt, dass es das Immunsystem stärkt. Dies soll dadurch geschehen, dass Arginin die Produktion von weißen Blutkörperchen anregt. Deswegen wird es auch vorbeugend, zum Beispiel gegen drohende Erkältungen, eingenommen. Während akuten Infekten sowie bei einem harten sportlichen Training ist das Immunsystem besonders belastet und der Bedarf an Arginin deswegen besonders hoch. Auch nach Operationen wird viel Arginin benötigt, da es die Wundheilung positiv beeinflussen kann. Darüber hinaus wird der Aminosäure auch eine krebshemmende Wirkung nachgesagt. So sollen durch die Gabe mehr Tumorzellen auf eine Chemotherapie bei Brustkrebs ansprechen.

Viele der Wirkungen, die Arginin zugeschrieben werden, sind wissenschaftlich allerdings noch nicht endgültig bestätigt. Deswegen sollte vor der Einnahme unbedingt mit einem Arzt gesprochen werden. Er kann auch Tipps zur richtigen Dosierung von Arginin geben. Darüber hinaus sollte außerdem beachtet werden, dass es in der Wirksamkeit Unterschiede gibt, je nachdem ob die Aminosäure oral oder intravenös verabreicht wird.

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Gesteigerte Potenz als Nebenwirkung von Arginin?

Bislang sind nur wenige Nebenwirkungen von Arginin bekannt. Zu ihnen gehört die Absenkung des Blutdrucks, was vor allem bei Personen mit niedrigem Blutdruck zu Problemen führen kann. Da Arginin die Durchblutung verbessert, soll sich durch die Einnahme der Aminosäure außerdem die Erektionsfähigkeit steigern lassen. Dieser Effekt ist allerdings genau wie die benötigte Dosis umstritten. Darüber hinaus ist Arginin zwar weniger gefährlich als chemische Potenzmittel, trotzdem sollte die Aminosäure über Nahrungsergänzungsmittel nicht in zu großen Mengen konsumiert werden. Denn eine Überdosierung von Arginin kann zu Durchfall und Übelkeit führen.

Neben der Potenz soll Arginin außerdem auch die männliche Fruchtbarkeit positiv beeinflussen können. Die Aminosäure soll die Spermienqualität verbessern, indem sie die Anzahl der Spermien erhöht und ihre Beweglichkeit steigert. Genau wie bei der Potenz wurde dieser Effekt von Arginin wissenschaftlich jedoch noch nicht bestätigt.

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Kathrin Mehner (Medizinredakteurin)

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Arginin erweitert die Blutgefäße (2024)

FAQs

Arginin erweitert die Blutgefäße? ›

Besonders für Fitness-Sportler und Bodybuilder ist L-Arginin sehr interessant, da es die Gefäße erweitert und somit gerne als Pre-Workout-Booster eingesetzt wird. Durch die verbesserte Durchblutung wird auch der Nährstoff- und Sauerstofftransport im Muskel gesteigert.

Ist L-Arginin gut für die Gefäße? ›

Als Arzneimittel und in ärztlicher Hand kann L-Arginin möglicherweise bei ganz bestimmten Erkrankungen der Gefäße (Arteriosklerose) hilfreich sein. Ob es jedoch Herz und Kreislauf wirklich schützt, kann aufgrund fehlender aussagekräftiger Studien nicht bewertet werden.

Ist L-Arginin durchblutungsfördernd? ›

L-Arginin wird sowohl im Sport als auch in der Medizin vielfach angewendet: Es wirkt gefäßerweiternd. Es fördert die Durchblutung und senkt den Blutdruck.

Wie lange dauert es bis L-Arginin den Blutdruck senkt? ›

Insgesamt sank der Blutdruck in der Verum-Gruppe nach 6 Monaten um circa 5 mmHg systolisch und circa 3,5 mmHg diastolisch (2 mmHg nach 3 Monaten).

Kann man L-Arginin jeden Tag nehmen? ›

Wer mehr als 3-mal pro Woche trainiert, kann täglich zusätzlich L-Arginin konsumieren. Die Einnahme von täglich 3 g L-Arginin stellt eine ausreichende Versorgung bei erhöhtem Bedarf sicher. Dennoch solltest du die angegebene Verzehrsempfehlung von 3 g L-Arginin eingehalten und nicht überschritten werden.

Was wirkt gefäßerweiternd? ›

Zu den gefäßerweiternden Medikamenten zählen Nitrate, Alphablocker, ACE-Hemmer, Ginkgo-Präparate, Kalziumantagonisten, Dihydralazin, Minoxidil, Dihydroergotoxin, Nikotinsäureanaloga und Pentoxifyllin. Nitrate wirken vor allem auf die Venen. Dadurch fließt weniger Blut zu Herz und Lunge zurück.

Wie kann man die Blutgefäße reinigen? ›

Zitronenwasser verhindert oxidative Schäden in Ihren Arterien und stellt die Elastizität der Blutgefäße wieder her. Leinsamen sind reich an Ballaststoffen, die als Reinigungsmittel in den arteriellen Blutgefäßen wirken und die Blutgefäße ganz einfach vollständig sauber halten.

Wann sollte man L-Arginin nicht nehmen? ›

Dazu kommt, dass auch Magen-Darm-Beschwerden als Nebenwirkungen auftreten können, zum Beispiel Erbrechen und Durchfall. Wenn man bereits Blutverdünner einnimmt oder einen Herzinfarkt hatte, sollte man von einer Einnahme von Arginin absehen. Vor der Einnahme ist eine Rücksprache mit dem Arzt in jedem Fall sinnvoll.

Was ist der beste natürliche Blutdrucksenker? ›

Als "natürliche Blutdrucksenker" gelten Olivenöl, Knoblauch, Feldsalat, Grünkohl, Meerrettich, Spinat, Rote Bete, Spargel, weiße Bohnen, Erbsen, Aprikosen, Rhabarber, außerdem Pistazien, Walnüsse, Kokosmilch und Tomatenmark.

Welches Vitamin fehlt bei Bluthochdruck? ›

Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12

Wird dieser Stoff aufgrund eines Mangels an den genannten B-Vitamin und Folsäure nicht abgebaut, steigt der hom*ocystein-Spiegel an. Das hom*ocystein führt an den Blutgefäßwänden zu Schäden. Das fördert die Entstehung von Ablagerungen und Blutgefäßverengungen.

Welche Nebenwirkungen gibt es bei L-Arginin? ›

Da Arginin Einfluss auf den Blutdruck hat und ihn nachweislich senkt, sollten Personen mit niedrigem Blutdruck bei einer Supplementation aufpassen und sich an die Dosis langsam herantasten. Bei höheren Mengen von Arginin kann es außerdem zu Durchfall und Übelkeit kommen.

Was bringt L-Arginin wirklich? ›

L-Arginin trägt somit indirekt zu einer Gefäßerweiterung und damit zu einer normalen Durchblutung bei. Zusätzlich wurde wissenschaftlich gezeigt, dass die ergänzende Aufnahme von L-Arginin den Blutdruck nachweislich senkt2 und die Erektion signifikant verbessert3.

Wie lang bis L-Arginin wirkt? ›

Grundsätzlich zeigt es aber zügig die ersten Wirkungen im Körper. Oft steigt bereits nach circa 30 Minuten die Konzentration im Blut an. Auch vor dem Schlafen kannst du L-Arginin nehmen, denn die Anregung der Lebertätigkeit hat einen positiven Effekt auf deine Nachtruhe.

Kann L-Arginin Cholesterin senken? ›

Eine weitere Anwendung von Arginin ist seine Cholesterin-senkende Wirkung.

Für was ist L-Arginin alles gut? ›

Sie nehmen Arginin, um den Blutdruck zu senken, Potenzstörungen zu beseitigen oder um das Immunsystem zu stärken. L-Arginin soll die Vielfalt des Mikrobioms fördern und so den Darm als unser Abwehrzentrum stärken.

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